am 20.Juni um 19.30 Uhr im Palais Salfedt
„Thomas Müntzer“ ist bereits der siebente Film aus der Reihe der DEFA-Filme, die zu
DDR-Zeiten in Quedlinburg gedreht wurden und der nun seine Wiederaufführung an
historischer Stelle erlebt.
Prof. Martin Hellberg hat dieses monumentale Bauernkriegsdrama 1955 bis 1956 mit
über 5000 Statisten und Kleindarstellern, darunter hunderte Komparsen aus den
Reihen der Volkspolizei, gedreht.
Rund 200 Rollen, vom Fürsten über Bauern bis zum Landsknecht, waren zu besetzen
und Hellberg nahm dafür bis in die kleinsten Rollen ausschließlich ausgebildete
Schauspieler. Etliche von ihnen haben genau zu dieser Zeit ihren künstlerischen Weg
bei der DEFA begonnen. So z.B. Ulrich Thein, Rolf Ludwig, Uwe-Jens Pape, Ruth-Maria
Kubitschek und die legendäre Agnes Kraus.
Der Film schildert das Schicksal des Pfarrers Thomas Müntzer, der zum Führer und
Ideologen der Reformation im Deutschland des 16. Jahrhunderts wird.
Hellberg verzichtete damals nicht auf aktuelle Anspielungen. So schließt er mit der als
Müntzers Vermächtnis wiedergegebenen zeitbezüglichen Aufforderung, die im Film
an die Bauernkrieger gerichtet ist; „Ihr müsst den Brüdern überm Main die Hand
reichen – ganz Deutschland muss ins Spiel kommen! (Heinz Kersten, Das Filmwesen in
der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands 1963)
Eine weitere verbriefte Anekdote: während der Dreharbeiten in der Gegend um
Quedlinburg fanden zeitgleich Schießübungen der damaligen Volkspolizei (Vopos)
statt. Das knallen und knattern der Maschinenpistolen störte bei den
Originalaufnahmen und weil die Polizei sich nicht darauf einlassen wollte, die
Schießübungen zu beenden, schrieb der Regisseur direkt an den damaligen
Ministerpräsidenten Otto Grotewohl.
Hellberg forderte ein sofortiges Ende der Schießerei. Schließlich drehe er hier ein
geschichtsträchtiges, kulturhistorisches, monumentales Werk von hohem politischen
und künstlerischen Anspruch.
Grotewohl schrieb ihm zurück, dass das nicht möglich sei und es doch im Lande
noch viele Plätze gäbe, an dem die Dreharbeiten ungestört fortgeführt werden
könnten.
Hellberg packte seinen Filmstab und alle Schauspieler und zog enttäuscht ins
Mansfelder Land!
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26. April 2017
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